Investitionen in Pre-IPO-Unternehmen ziehen private Anleger mit der Möglichkeit an, in ein starkes Unternehmen einzusteigen, bevor es an die Börse geht. Die Logik ist klar: Wenn das Unternehmen weiter wächst und dann einen Börsengang zu einer höheren Bewertung durchführt, kann der frühe Investor von der Differenz profitieren. Aber der Einstieg in solche Geschäfte ist viel komplizierter als der Kauf von öffentlichen Aktien über einen Broker.
Der erste Schritt ist zu verstehen, über welche Struktur der Zugang zum Geschäft überhaupt gewährt wird. Dies könnte ein Fonds, ein SPV, ein Syndikat, eine Sekundärplattform oder ein anderer Vermittler sein. Für den Anleger ist nicht nur der Name des Unternehmens wichtig, sondern auch die Eigentumsform: Welche Rechte erhält er, wer ist der nominelle Inhaber, welche Gebühren sind anfallen, und gibt es Einschränkungen für den späteren Verkauf des Anteils.
Der zweite Schritt besteht darin, das Unternehmen selbst zu prüfen. Bei Pre-IPO darf man sich nicht auf eine schöne Marke oder laute Schlagzeilen beschränken. Man muss auf den Umsatz, die Wachstumsraten, die Unit Economics, die Qualität der aktuellen Investoren, die Position des Unternehmens auf seinem Markt und die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Liquiditätsereignisses achten. Eine gute Frage hier lautet: Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für den Einstieg in dieses Unternehmen und nicht vor einem Jahr oder in einem Jahr?
Der dritte Schritt ist die Bewertung des Einstiegspreises. Selbst ein hervorragendes Unternehmen kann eine schlechte Investition sein, wenn der Einstieg zu einer zu hohen Bewertung erfolgt. Daher ist es für den Investor wichtig, die aktuelle private Bewertung mit öffentlichen Vergleichswerten, Wachstumsraten, Marge und der allgemeinen Stimmung am IPO-Markt zu vergleichen. Je höher die Erwartungen, desto größer ist das Risiko, dass das Aufwärtspotenzial bereits teilweise im Preis eingepreist ist.
Der vierte Schritt besteht darin, das Exit-Szenario im Voraus zu planen. Bei Pre-IPO werden die Gelder nicht immer schnell liquide. Der Ausstieg kann über einen Börsengang, ein Tender Offer, einen Verkauf auf dem Sekundärmarkt, M&A erfolgen oder sich verzögern. Wenn ein Investor nicht versteht, wann und wie er potenziell aus der Position aussteigen kann, unterschätzt er das Kernrisiko des Geschäfts.
Das Grundprinzip hier lautet: Es lohnt sich, in Pre-IPO zu investieren, nicht weil die Geschichte prestigeträchtig klingt, sondern weil drei Dinge klar sind: die Qualität des Unternehmens, die Bewertungslogik und der Weg zur Liquidität. Wenn auch nur eines dieser Elemente unklar ist, wird das Geschäft deutlich riskanter. Für private Anleger ist der beste Ansatz, Pre-IPO als Teil des Risikokapitals im Portfolio zu betrachten und nicht als universelles Instrument für das gesamte Geld.