Revolut bereitet ein Tender-Angebot mit einer Bewertung von über 100 Mrd. USD vor und strebt ein IPO mit 200 Mrd. USD an – eine Analyse für Investoren
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Revolut bereitet ein Tender-Angebot mit einer Bewertung von über 100 Mrd. USD vor und strebt ein IPO mit 200 Mrd. USD an – eine Analyse für Investoren

Am 21. April 2026 berichtete die Financial Times, dass Revolut in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 ein neues sekundäres Aktienangebot (Tender Offer) vorbereitet. Die Bewertung des Unternehmens im Rahmen dieses Deals wird voraussichtlich über 100 Mrd. USD liegen – 33 % höher als die Runde im November 2025, in der Revolut mit 75 Mrd. USD bewertet wurde.

Gleichzeitig enthüllte die FT ein noch ehrgeizigeres Detail: Innerhalb des Unternehmens und in Gesprächen mit Investoren wird eine Zielbewertung für den Börsengang im Bereich von 150–200 Mrd. USD diskutiert. Ein formelles Ziel gibt es noch nicht, aber genau dieser Korridor wird als Richtwert für den Börsengang betrachtet.

Innerhalb von zwei Jahren wird sich die Bewertung von Revolut mehr als verdoppeln – von 45 Mrd. USD im Jahr 2024 auf über 100 Mrd. USD im Jahr 2026. Im Falle eines Börsengang-Szenarios an der Obergrenze handelt es sich um eine Vervierfachung innerhalb von drei Jahren.

Was ist ein Tender Offer und warum ist es wichtig

Ein Tender Offer (Tender-Angebot) ist ein sekundärer Deal, bei dem Mitarbeiter und frühe Investoren ihre Aktien an neue Fonds auf dem Sekundärmarkt verkaufen können. Der entscheidende Unterschied zu einer normalen Finanzierungsrunde: Das Unternehmen gibt keine neuen Aktien aus, was bedeutet, dass die Anteile der bestehenden Aktionäre nicht verwässert werden.

Für Investoren ist ein Tender Offer gleichzeitig ein Signal der Reife (das Unternehmen benötigt kein neues Kapital für den Betrieb) und ein Preisfindungsmechanismus (jedes Tender-Angebot fixiert die Marktbewertung des Unternehmens, bestätigt durch reale Transaktionen).

Revolut baut offenbar ein Modell jährlicher sekundärer Verkäufe auf – ähnlich wie Stripe es tut – und schafft so Liquidität für Mitarbeiter und frühe Investoren bis zum Zeitpunkt des Börsengangs.

Bewertungsdynamik: von 45 Mrd. USD auf 200 Mrд. USD in drei Jahren

Die Bewertungstrajektorie von Revolut ist eine der beeindruckendsten im globalen FinTech.

2024: Bewertung von 45 Mrd. USD im Rahmen eines sekundären Aktienverkaufs.

November 2025: Tender-Angebot mit einer Bewertung von 75 Mrd. USD – ein Wachstum von 67 %. Nvidia schloss sich den Investoren an, was ein starkes Signal für den Markt war.

H2 2026 (erwartet): Neues Tender-Angebot mit einer Bewertung von über 100 Mrd. USD – ein weiteres Wachstum von 33 %.

IPO (nicht vor 2028): Interner Zielbereich von 150–200 Mrd. USD. Mitbegründer Nik Storonsky merkte im Dezember an, dass sein Anteil bei einer Bewertung von 200 Mrд. USD etwa 80 Mrд. USD betragen würde.

Für Pre-IPO-Investoren bedeutet dies, dass das Einstiegsfenster auf dem Sekundärmarkt mit jedem Tender-Angebot kleiner wird – das Wachstumspotenzial bis zur IPO-Bewertung bleibt jedoch erheblich.

Finanzielle Grundlage: Warum die Bewertung gerechtfertigt ist

Im Gegensatz zu vielen Technologieunternehmen mit hohen Bewertungen untermauert Revolut seinen Wert mit starken finanziellen Kennzahlen.

Umsatz 2025: 6,0 Mrd. USD (£4,5 Mrd.) – ein Wachstum von 46 % im Jahresvergleich. 11 Produktlinien übertrafen jeweils 135 Mio. USD Jahresumsatz.

Gewinn vor Steuern: 2,3 Mrd. USD (£1,7 Mrd.) – ein Wachstum von 57 %. Die PBT-Marge beträgt 38 %. Fünftes Jahr in Folge mit Netto-Rentabilität.

Nettoergebnis: 1,7 Mrd. USD – ein Wachstum von 70 % gegenüber 2024.

Kundenstamm: 68,3 Mio. Privatkunden, 767.000 Geschäftskunden. Jeder fünfte arbeitende Erwachsene in Europa nutzt Revolut.

Abonnements: Wachstum um 67 % auf 936 Mio. USD – dies ist der am schnellsten wachsende Umsatzsegment und ein Schlüsseltreiber der Rentabilität.

Kundenguthaben: 67,5 Mrd. USD – ein Wachstum von 66 %. Transaktionsvolumen – 1,7 Bio. USD.

Bei der aktuellen Bewertung von 75 Mrd. USD beträgt das KUV (Preis/Umsatz-Verhältnis) etwa das 12,5-fache, was mit öffentlichen FinTech-Marktführern vergleichbar ist. Bei einer Bewertung von 100 Mrd. USD – etwa das 17-fache, was ein Fortsetzen des Umsatzwachstums von über 40 % voraussetzt.

Regulatorische Transformation: Vom FinTech zum globalen Bank

Für Investoren ist der regulatorische Fortschritt von Revolut ein nicht weniger wichtiger Faktor als die finanziellen Metriken. Gerade Lizenzen bestimmen, in welcher „Gewichtsklasse“ das Unternehmen beim Börsengang bewertet wird.

März 2026: Revolut erhielt eine vollständige Banklizenz in Großbritannien – und beendete damit einen mehrjährigen Mobilisierungsprozess. Dies ermöglicht es, Einlagen direkt entgegenzunehmen und sie für die Kreditvergabe an 13 Mio. britische Kunden zu nutzen. Für die Unternehmensbewertung ist dies ein fundamentaler Wandel: Eine Bank mit Lizenz wird mit anderen Multiplikatoren bewertet als ein FinTech-Startup.

März 2026: Einreichung eines Antrags auf eine Banklizenz in den USA über das Office of the Comptroller of the Currency (OCC). Eine Genehmigung würde Zugang zum größten Finanzmarkt der Welt eröffnen – mit der Möglichkeit, Dollar-Einlagen anzunehmen, Kredite zu vergeben und mit traditionellen Banken zu konkurrieren.

30+ Märkte: Revolut agiert als lizenzierte Bank in mehr als 30 der 40 Präsenzmärkte. Im Januar 2026 – Start des vollwertigen Bankgeschäfts in Mexiko.

CEO Nik Storonsky verbindet den öffentlichen Status direkt mit Vertrauen: „Wir sind eine Bank. Für eine Bank ist Vertrauen äußerst wichtig. Öffentliche Unternehmen genießen größeres Vertrauen als private.“

Warum der IPO nicht vor 2028 stattfindet

Trotz der Bereitschaft der finanziellen Kennzahlen eilt Revolut nicht an die Börse. Storonsky bestätigte letzte Woche, dass der IPO nicht vor 2028 stattfinden wird.

Die Gründe für den abgewogenen Ansatz sind verständlich. Erstens ist das Wettbewerbsumfeld für IPOs im Jahr 2026 überhitzt: SpaceX (2+ Bio. USD), OpenAI (852 Mrd. USD), Anthropic (380 Mrd. USD) – alle planen Platzierungen. Revolut zieht es vor, nicht um die Aufmerksamkeit der Investoren auf einem überfüllten Markt zu konkurrieren.

Zweitens erhöht jedes Jahr im Privatstatus bei der aktuellen Wachstumsrate die fundamentale Bewertung. Wenn der Umsatz weiter um über 40 % pro Jahr wächst, könnte er bis 2028 12–15 Mrd. USD erreichen – was eine Bewertung von 150–200 Mrd. USD rechtfertigen würde.

Drittens ist der Erhalt einer US-Banklizenz vor dem IPO eine strategische Priorität. Ein Unternehmen, das mit Lizenzen in Großbritannien und den USA an die Börse geht, erhält eine grundlegend andere Bewertung als ein FinTech ohne Bankstatus.

Modell jährlicher Tender-Angebote: Der Stripe-Ansatz für Liquidität

Revolut baut ein Modell auf, bei dem Liquidität für Aktionäre durch regelmäßige sekundäre Verkäufe geschaffen wird – ohne die Notwendigkeit, sich mit einem IPO zu beeilen. Eine ähnliche Strategie verfolgt Stripe.

Dies schafft eine interessante Situation für Pre-IPO-Investoren: Jedes Tender-Angebot fixiert eine neue, von realen Käufern bestätigte Bewertung und bietet Ein- und Ausstiegsfenster. Gleichzeitig bleibt das Wachstumspotenzial bis zur IPO-Bewertung (150–200 Mrd. USD) erhalten.

Was dies für Investoren bedeutet

Das Einstiegsfenster schließt sich. Jedes weitere Tender-Angebot treibt den Preis nach oben. Ein Einstieg zu einer Bewertung von 75 Mrd. USD (November 2025) bietet ein Potenzial von 2–2,7-fach bis zum IPO. Ein Einstieg zu 100 Mrd. USD – ein Potenzial von 1,5–2-fach. Je später der Einstieg – desto geringer die Upside.

Die Grundlage der Bewertung ist konkret. Im Gegensatz zu vielen KI-Unternehmen mit Verlusten ist Revolut fünf Jahre in Folge profitabel mit einer PBT-Marge von 38 %. Dies ist eine seltene Kombination aus Wachstum und Rentabilität.

Regulatorische Katalysatoren liegen vor uns. Die Genehmigung der amerikanischen Lizenz könnte der Auslöser für den nächsten Bewertungssprung sein. Jede neue Lizenz erweitert den addressable market und erhöht den Multiplikator.

Risiken bleiben bestehen. Pre-IPO-Positionen sind bis zum Zeitpunkt der Platzierung (oder des nächsten Tender-Angebots) illiquide. Der IPO könnte verschoben werden. Die Marktbedingungen im Jahr 2028 sind heute nicht vorhersehbar.


Revolut ist Teil des AMCH-Portfolios. Investoren der Plattform haben Zugang zu einer Pre-IPO-Position in Revolut über strukturierte Lotes. Aktuelle Bedingungen und Details – auf der Plattform: amcapital.app

AMCH ist kein Broker oder Treuhanddienst für Vermögensverwaltung. Das Unternehmen arbeitet nach dem Modell eines Investmentfonds. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Frühere Ergebnisse garantieren keine zukünftige Rendite.